Yolanda vom Hagen

Im Pott

Das Projekt „Karlstraße“, welches ich 2005 innerhalb eines von der Emscher Gesellschaft und der Fh-Dortmund organisiertem künstlerischem Austauschprojektes angefangen habe, brachte mich Anfang 2006 auch in die Wohnungen von 14 Einheiten. In diesem Projekt "Im Pott" porträtiere ich alte, junge, alleinerziehende Mütter, Arbeitslose, Pensionierte und kranke Menschen in ihren Wohnzimmern. Große, Patchwork- und Einwandererfamilien drücken sich hier die Klinke in die Hand. Manche mit und andere ohne Bergbauhintergrund. Sowohl in 2006 als auch in 2016 hatte ich in einigen Wohnungen das Gefühl die Zeit sei dort stehen geblieben, mich auf Zeitreise in die 60. oder 70. zu befinden. Die Häuser gibt es schon seit den 20. Jahren. Die Zahl der Zuwandererfamilien, die in den 60. Jahren das Straßenbild prägte, ihr den Namen „kleine Türkei“ verlieh ist bis heute radikal gesunken. Heute ist die Nachbarschaft überwiegend Deutsch. Nur einige Kinder aus Migrantenfamilien, die in dieser Straße aufgewachsen sind, kehren in den letzten Jahren nach 2010, langsam mit ihren eigenen Familien wieder zurück. Selbstbewußt, im Übergang und Aufbruch befanden sich die Anwohner in 2006. Und auch in 2016, nach 10 Jahren, wurde ich wieder mit unglaublicher Offenheit begrüßt. 4 Menschen aus meinem Projekt sind in dieser Zeit, zumeist an Krebs verstorben. Die Menschen erzählten mir über Verluste, die Entwicklung des Gemeinschaftsgefühls unter den Nachbarn, über Arbeitsverhältnisse und wie die Familien auf der Straße miteinander verbunden und verwoben sind.

Dies ist ein fortlaufendes Projekt.
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