Andreas Teichmann

Der Mensch bleibt ein soziales Wesen

„Im Jahr 2020 hat sich das Leben der Menschen gravierend verändert. Die Folgen des Corona Virus sind eine globale Erfahrung.
Mit Beginn der Ausgangsbeschränkungen begrenzte sich auch mein soziales Leben auf unser Zuhause, dass ich mit meiner Frau und unseren Kindern bewohne. Ich kann mich kaum erinnern jemals soviel Zeit am Stück zusammen mit meiner Familie an diesem einen Ort verbracht zu haben.
Das verändert die Wahrnehmung.
In den ersten Tagen war ich in einer Art persönlicher Schockstarre und musste mich auch als Fotograf erst neu orientieren. Bilder von leeren Innenstädten und Toilettenpapier-Regalen waren für mich nur objektive Symptome der aktuellen Lage.
Mich interessierte wie sich andere Menschen im Lockdown mit dieser neuen Lebenswirklichkeit verhalten und ob es sie verändert.
Bleibt der Mensch ein soziales Wesen?
Diese Frage fotografisch zu untersuchen war organisatorisch aufwändig und ich benötigte viel Zeit, Vorgespräche und eine umfangreiche Schutzausrüstung, um mich und die Menschen, die ich aufsuchte, zu schützen. Erst waren es private Kontakte die mir Zugang gewährten, dann bin ich über Kirchen, soziale Verbände, Schulen, Kitas, Altenheimen und Kliniken mit Menschen zusammen gekommen, für die Social Distancing zu sehr unterschiedlichen „neuen Normalitäten“ geführt hat.
Aber der Begriff „Social Distancing“ ist irreführend. Es müsste „Physical Distancing“ heißen, denn sozialer Austausch findet nun alternativ im Netz und Social Media statt.
Doch ich habe beobachten können, dass digitale Kommunikation in dieser Situation eine gute Hilfsmaßnahme ist. Aber sie kann die Erfahrung von körperlicher Nähe niemals ersetzen.
Es sind kurze Momente, die die emotionale Bandbreite von menschlicher Beziehung skizzieren.
Der Mensch bleibt ein soziales Wesen!“

(Andreas Teichmann)
© Sämtliche Nutzungsrechte an den abgebildeten Fotografien liegen bei Andreas Teichmann