Pixelprojekt_Ruhrgebiet - AZIS' - Mann-männliche Prostitutionsszene in Dortmund

AZIS' - Mann-männliche Prostitutionsszene in Dortmund zurück zur Übersicht

Rosa Maria Rühling, Dortmund, 2010 (zurück zur Übersicht)

Nach einer aktuellen Studie zur Lebenslage von Strichern im östlichen Ruhrgebiet ist Dortmund das Zentrum der Stricher- und Callboyszene dieser Region. Zwischen 200 und 250 Stricher und Callboys im Durchschnittsalter von 21 Jahren gehen der Prostitution nach. Etwa 40% der jungen Männer haben einen Migrationshintergrund.
Bei meiner Recherche zum Thema Prostitution stieß ich zufälligerweise auf einen Vortrag der AIDS-Hilfe Dortmund, die diese Fakten vorstellten. Mir war vorher nicht aufgefallen, dass auch Jungs an den Straßen Dortmunds der Prostitution nachgehen. Ich dachte mir, wer sind diese Personen und woher kommen sie und wie sind sie dazu gekommen, als Prostituierte zu Arbeiten?
Nach der oben erwähnten Studie und nach Aussagen der AIDS-Hilfe Dortmund gibt es einen extremen Aufklärungsbedarf der Jungs vor allem in den Bereichen Gesundheit und Bildung. Nur wenige sprechen Deutsch und haben eine Schulbildung genießen können.
Die Hauptarbeitsplätze der Jungs umfassen Kneipen, Saunen, Kinos und Außenbereiche der Dortmunder Hauptbahnhofsumgebung wie Parks, Parkplätze und Straßenränder.
Ihre Kundschaft besteht hauptsächlich aus deutschen Männern zwischen 40 und 80 Jahren. Ihre Einnahmen liegen zwischen 5 und 30 Euro pro Angebot. Den Großteil ihres Verdienstes schicken sie an ihre Familien in ihren Heimatländern, denn ihre Hauptmotivation nach Dortmund zu kommen liegt darin, ihre Familien finanziell zu unterstützen.
Zusammen mit den Streetworkern der AIDS-Hilfe Dortmund machte ich mich auf den Weg, diese jungen Männer kennenzulernen. Über mehrere Monate hinweg konnte ich eine kleine Gruppe türkisch-bulgarischer, junger Männer fotografisch begleiten. Dabei konzentrierte ich mich auf den Kontrast zwischen dem starken sozialen
Zusammenhalt der Menschen untereinander und der harten Realität ihrer Arbeitswelt.
Das Projekt soll auf die Situation der Jungs aufmerksam machen und ihnen die Möglichkeit geben, sich auszudrücken.

Eine subjektiv-fotografische Dokumentation.

© Sämtliche Nutzungsrechte an den abgebildeten Fotografien liegen bei Rosa Maria Rühling