Pixelprojekt_Ruhrgebiet - 255,736 Mikrogramm

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Julia Unkel, Dortmund, 2013-2018 (zurück zur Übersicht)

PCB gehört zu dem „dreckigen Dutzend“ der gefährlichsten chemischen Umweltgifte der Welt. Es schädigt Leber, Nieren, Nerven und das Immunsystem. Seit die Firma Envio Recycling GmbH & Co. KG im Jahre 2010 stillgelegt wurde, sind im Dortmunder Hafen noch immer die Folgen eines der größten Umweltskandale Deutschlands zu spüren
- nein, eben nicht zu spüren, denn das von der Firma verteilte PCB ist nicht zu riechen, unsichtbar und nicht zu schmecken. PCB kann vom Körper nicht abgebaut werden, es lagert sich dort über Jahre hinweg ab. Es ist überall im Stadtteil verteilt und wird über die Atemluft, die Haut und die Nahrung aufgenommen.
Man sollte meinen, dass nach der Aufdeckung des Umweltskandals in 2010 alle Hebel in Bewegung gesetzt wurden, das Firmengelände zu reinigen. Doch lange Zeit ist nichts erwähnenswertes passiert. Der Staub der noch gelagerten 1150 Tonnen Giftmülls wurde mit dem Wind in alle Richtungen zerstreut. Erst 2015 begannen die Sanierungsarbeiten.
Bis heute gibt es PCB - verseuchte Fische im Hafenbecken sowie belastetes Gemüse in den Kleingärten am Rande des Dortmunder Hafens.
Doch am schwersten getroffen hat es die ehemaligen Arbeiter. Unwissend und ohne Schutzkleidung nahmen ihre Körper täglich das Gift auf. Referenzwerte um mehr als das 25 000-fache (255,736 Mikrogramm) wurden gemessen.
Insgesamt leiden rund 360 Personen unter erhöhten Giftwerten. Betroffen sind neben ehemaligen Envio-Mitarbeitern u.a. auch Ehepartner, Kinder, Familienangehörige, zudem Beschäftigte benachbarter Firmen.
Der Prozess gegen die Verantwortlichen ist bis heute nicht abgeschlossen. Das Urteil ist ungewiss.

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