Pixelprojekt_Ruhrgebiet - Losing Places

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Rolf Arno Specht, Dortmund / Gelsenkirchen / Herten / Herne, 2011 (zurück zur Übersicht)

Industrielle Areale entstehen, werden genutzt und verschwinden. Dies geschieht auf buchstäbliche Art und Weise. Es ist die Aufgabe der „Urban Explorers“, diese Orte aufzusuchen, zu dokumentieren, zu inszenieren und sie somit fotografisch vor dem Vergessen zu bewahren.

Diese Orte entstehen, leben und verschwinden aber auch im kollektiven Bewusstsein einer Gesellschaft. Bergwerke mit ihrer markanten und oftmals imposanten Architektur veränderten ganze Landstriche tiefgreifend. Sie prägten das Lebensumfeld der dort angesiedelten Bevölkerung maßgeblich. Der näher rückende Abrisshammer beraubt schlussendlich diesen Mikrokosmos seines architektonischen Herzens. Zurück bleibt eine Hülle, die nur noch auf dem Luftbild erkennen lässt, was einst die Keimzelle dieses Ortes gewesen sein könnte.

Mit dem Fördergerüst oder dem Hochofen fällt nach Betriebsende der identitätsstiftende Fixpunkt der Stadt oder des Viertels weg und entlässt das Gemeinwesen in die Beliebigkeit. Es ist dieser emotionale Aspekt, der vielerorts Widerstand gegen die rational begründbare Beseitigung von Industrieanlagen dieser Art erzeugt. Die Pflege und museale Aufbereitung von Artefakten dieser Epoche ist als Kampf um die eigene Identität zu verstehen.

Die Bildreihe ''Losing Places'' dokumentiert nicht die industriellen Areale als solche. Die nebelverhüllten Fördertürme von Bergwerken im Ruhrgebiet werden als Parabel eines verlorenen kollektiven Gedächtnisses ästhetisiert, um diese verschwindenden Orte auch für künftige Generationen erfahrbar zu machen.

© Sämtliche Nutzungsrechte an den abgebildeten Fotografien liegen bei Rolf Arno Specht